Ankunft auf La Gomera

Nachdem ich es ja gestern wunderbar verpeilt habe, mein Gepäck rechtzeitig zum Flughafen zu bringen (und wieder einmal am Flughafen geblitzt wurde), musste ich mir heute morgen ein Taxi gönnen.

Muffeliger Taxifahrer, der gleich zur Begrüßung meinte: „Mit Gepäck? Davon wusste ich aber nichts!“

Blödkopf – mein Gepäck bestand aus einem Rucksack und meinem kleinen Handgepäck-Rucksack.

Ich habe dann auch keine große Lust auf Konversation gehabt, sondern mehr oder weniger kaum was gesagt. Das war aber immer noch mehr, als das, was er zur Konversation beitrug …

Flug hat wunderbar geklappt, dank eines wohl immensen Rückenwindes waren wir sogar 20 Minuten (!) früher als geplant auf Teneriffa, so dass ich die Fähre um 14.00 Uhr nach La Gomera tatsächlich geschafft habe und nicht noch 4,5 Stunden im Hafen von Los Christianos verbringen musste. 

Das Taxi zum Hafen habe ich mir einem Typen aus Hamburg geteilt. 2 Doofe, ein Gedanke! Wir beide sputeten in ziemlicher Eile Richtung Taxistand, warfen uns einen Blick zu und sagten mehr oder weniger gleichzeitig „La Gomera? Wollen wir uns ein Taxi teilen?“ 

So hielt sich der monetäre Aufwand in Grenzen, 12,50 Euro für jeden. Und ich möchte nur mal kurz erwähnen, dass der hübsche spanische Taxifahrer NICHTS, ABER AUCH GAR NICHTS, zu dem Riesengepäck von Thorsten gesagt hat. Und der HAT viel Gepäck mit … Sieht aus, als ob der hier mehrere Monate bleiben will.

Die Fähre habe ich also geschafft, viel Zeit zum Verschnaufen blieb aber auch nicht. Ab zum Ticketschalter, Ausweis (!) vorlegen (für eine Fährfahrt innerhalb Spaniens? – hatte ich vorher auch nie gehört), Ticket kaufen und schnell auf den Dampfer, der dann auch gleich danach ablegte. Hätten wir den Rückenwind nicht gehabt, hätte ich das Schiff um 14.00 Uhr auf gar keinen Fall geschafft. Zeit dem Universum wieder mal zu danken 🙂 

Ein Wort noch zu Teneriffa, welches sicherlich nicht aussagekräftig und bewiesen ist – grauseligst!

Jedenfalls der Süden und damit der kleine Teil, den ich gesehen habe. Bettenburgen an Bettenburgen (wunderbar beim Anflug zu sehen, da wir direkt dort rübergeflogen sind, ziemlich weit unten waren und ich ausnahmsweise mal am Fenster saß) und auf den Straßen ziemlich alte Leute, die trotz bewölktem Himmel und damit nicht gerade tropischen Temperaturen ziemlich wenig anhatten. 

Dass Leute alt sind, ist für mich ja nun wahrlich nicht schlimm. Ich finde das eher interessant und spannend … jedenfalls sofern der Kopf nicht nur mit Bildzeitungs-Wissen gefüllt ist. Aber weiße Männerbeine mit Krampfadern in kurzen Shorts, garniert von Tennissocken und Altherrensandalen oder aber dicke hängende Brüste in äußerst knappen Tops wahrzunehmen, wohin man auch sieht, gefällt mir nicht so gut …

Das war das Publikum in Teneriffa’s Süden, kommen wir zum Publikum auf La Gomera ;).

Schon auf der Fähre war klar – andere Insel, anderer Spirit, andere Leute. 

Viele Normalos wie ich, aber noch mehr „Ich bin ganz klar ein Hippie und bin ultracool und habe es daher auch defintiv nicht nötig mit anderen Leuten in Kontakt zu treten“-Leute … 

Herrlich anzuschauen und wieder einmal eine wunderbare Sozialstudie!

Wichtig bei der Gomera-Hippiefraktion ist es auf jeden Fall, nackte Füße zu haben – je schmutziger, desto besser. Daran merkt der Rest der Leute auf der Fähre nämlich, dass man auf die üblichen Konventionen nicht viel gibt und über den Dingen steht. Egal, wie kalt es ist und wie sehr Wind vom Atlantik weht. Dazu dann Dreadlocks, Goa-Klamotten, eine Isomatte und möglichst zwei oder vier Hunde! Diese durften sich allerdings auf dem Oberdeck nicht frei bewegen, sondern mussten an die Leine genommen werden. Schade für die Hippie-Fraktion, aber bei solchen Kleinigkeiten mussten sie sich dann doch den Konventionen beugen … und die Hunde an die Leinen nehmen.

Pfui Sabine, schäm dich! Hört sich auch härter an, als es ist! Aber ich kenne diese „ach so coolen ich geb gar nichts auf irgenwelche Konventionen, schnorr mich aber gerne durch’s Leben-Leute“ so zur Genüge – ich kann sie einfach nicht mehr ernst nehmen.

Jedenfalls nicht, solange ich sie nur nach dem Äußeren beurteilen kann, weil kein Gespräch stattfindet. Welches ja in den meisten Fällen gar nicht stattfinden muss, da es sich ja sowieso immer nur eines dreht – „Wo gibt es was zu rauchen?“ „Kannst du mir vielleicht ein bisschen Kohle leihen? Kriegst du auch bestimmt zurück – mein letztes Projekt ist noch nicht bezahlt worden, das Geld dürfte aber spätestens übermorgen da sein“ und vielleicht noch „Wie kann ich die Einheimischen am besten bescheißen und am wenigsten Geld ausgeben?“ Egal, ich schweife schon wieder ab. Wo war ich?

Zurück zur Fährüberfahrt – ich fand’s kühl! Ziemlich kühl! Mir war nicht nach Barfuß auf dem Deck herumlaufen! Und daher habe ich mir erst einmal die Fleecejacke zusätzlich aus dem Rucksack geplünnt und dabei auf den grauen und rauhen Atlantik geblickt.

Während des Anlegemanövers auf La Gomera tauchte Thorsten dann auch wieder auf und fragte, ob wir uns ein Taxi rüber nach Valle Gran Rey (das Tal, in dem ich wohne – mehrere Dörfer, Wasser und viele hohe Berge drumherum) teilen wollen. Nur für uns zwei war mir das ehrlich gesagt zu teuer und so habe ich noch ein anderes Päärchen angequatscht und gefragt, ob sie auch mitmachen und somit waren wir 4 und haben jeder nur noch 15,00 Euro gezahlt.

Karin und Rolf aus’m Ruhrpott! Ungefähr im gleichen Alter wie ich, die unheimlich redebedürftig waren – ganz im Gegensatz zu meinem Taxifahrer heute morgen :). Aber nette „Normalos“. Wir haben mal Nummern ausgetauscht. Falls wir uns nicht zufällig im Tal über den Weg laufen (sie wohnen in Borbalan, Thorsten in La Calera, ich in Vueltas) verabreden wir uns noch mal zu einem Sonnenuntergangsbier.

Die Fahrt vom Fähranleger rüber ins Tal war ein Traum! Der Regenwald hat mich jetzt schon umgehauen, obwohl ich noch gar nicht darin gewandert bin. Am liebsten hätte ich meine Kamera rausgeholt und während der Fahrt gefilmt! 

Wenn ich es recht überlege, war das eigentlich ziemlich doof von mir, das nicht zu tun … Ich bin halt ein Touri ;)!

Egal, die Insel ist klasse. Total grün, „unsere“ Erika aus der Lüneburger Heide gibt’s hier auch. Allerdings sind das meterhohe Bäume! Lupinen gibt’s ebenfalls nur in Baumform. 

Freu mich sehr drauf, die Insel zu erkunden. Habe heute bereits überlegt, ob ich mir nicht für 3 Tage einen Mietwagen nehme, da die Busverbindungen wirklich grottig sind und ich mit einem Wagen definitiv auch in den Norden und zurück kommen würde, ohne woanders übernachten zu müssen. Werde ich die Tage mal erkunden.

In Vueltas angekommen hat auch alles gut geklappt. Mein Appartment ist RIESIG! Wirklich riesig. Größer als meine Wohnung auf jeden Fall und dazu noch mit einer relativ großen Dachterrasse, ausgestattet mit Möbeln und einer Liege.

Handtücher habe ich für’s ganze nächste Jahr (wirklich Unmengen!) und die Küche ist auch besser ausgestattet als meine. Wenn ich will, könnte ich mir sogar Milkshakes mixen oder Pommes frittieren. Nicht, dass ich das in Erwägung ziehen würde, aber ich habe tatsächlich all so’n Schnicki-Schnacki zur Verfügung.

Die Wohnung ist einem normalen Haus, unten wohnt eine gomerische Familie und oben ich und das war’s. 

Ansonsten ist der Ort aber schon für alle Touri-Belange eingerichtet – jede Menge Bar’s und Restaurants, Fahrradverleih, Autoverleih, Bioläden, „Hippie-Klamotten-Läden“ and so on.

War kurz noch einkaufen, Tee, Milch, Eier, Salz und Wein, der im übrigen grottig schmeckt 😦 und habe mich dann an den Hafen gesetzt und dem karibischen Kinder-Karneval zugeschaut.

Hatte fast schon Londoner Ausmaße. 

Und auch am Hafen und im Ort gibt’s die Goa-Fraktion – allerdings eher mein Alter, dafür aber auch sooooo immens cooool. Ein Typ in der Bar sabbelte mich gleich an und meinte, er könnte mir alles auf der Insel zeigen. 

ER nämlich hat diese Insel praktisch mit zu dem gemacht, was sie ist, denn ER war vor 25 Jahren schon hier und somit einer der ersten Touristen. Damals war natürlich alles VIEL besser, man durfte am Strand schlafen und wurde von den Gomeros zum Essen eingeladen.

Jetzt ist am Strand schlafen verboten und für’s Essen muss man auch bezahlen. What a pitty!

War aber ganz nett und leichte Unterhaltungskost. Ich musste nicht viel sagen, sondern immer nur mal nicken und an meinem Wein nippen und das war’s. Zu mehr Konversation fühle ich mich heute auch nicht in der Lage.

Später war ich dann noch kurz essen (Squid) und nun sitze ich platt auf meiner Dachterrasse, gucke in die Sterne, tippe den Tag schnell herunter und werde jetzt auch ins Bett verschwinden.

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