Bewegender Tag in Phnom Penh

(Mental) sehr anstrengender Tag für Hannah und mich!

Kambodscha’s Geschichte ist geprägt von den Gräueltaten der Roten Khmer und dem Terrorregime Pol Pot’s.

Ich will versuchen, euch einen kurzen Überblick zu geben ….

Wurzel des Übels ist – wie so oft – Gewalt und Krieg.

Anfang der 70er Jahre erlaubte die damalige – von den USA unterstütze und durch einen Putsch an die Macht gekommene – kambodschanische Militärregierung den USA, den Vietnamkrieg auch von Kambodscha aus zu führen. 

Die Folgen daraus dürften hinreichend bekannt sein. Im Laufe der Zeit bombadierte die USA flächendeckend sowohl Vietnam als auch Laos und sein „Freundesland“ Kambodscha. Grenzen waren damals wohl relativ zu betrachten …

Man munkelt, dass allein in Kambodscha durch diese Bombenangriffe mindestens 200.000 Zivilisten ihr Leben verloren. 

Die Bevölkerung waren die Kämpfe und die vielen Toten leid. Schrecklich leid! 

Insofern hatten die Roten Khmer (oder offiziell „Khmer Rouges“) ein leichtes Spiel, als sie im April 1975 Phnom Penh einnahmen.

Die Leute jubelten ihnen auf den Straßen zu! Sie dachten wohl, es könnte nicht schlimmer kommen …

Falsch gedacht! Nur 3 Tage später war Phnom Penh eine Geisterstadt und 3 Jahre später war ein Viertel der Bevölkerung von Kambodscha ausgelöscht. Verhungert, an Erschöpfung zusammen gebrochen, mangels medizinischer Versorgung gestorben oder auf brutalste Weise umgebracht.

Harter Stoff, aber auch diese Seite gehört zu Kambodscha.

Wir waren daher heute im Tuol Sleng Museum. Diese einstige Schule wurde unter der Herrschaft der Roten Khmer als berüchtiges „S-21“-Gefängnis genutzt. Wenn es denn mal „nur“ ein Gefängnis gewesen wäre … in meinen Augen handelt es sich um ein „Folterzentrum“ unvorstellbaren Ausmaßes.

Die Roten Khmer waren genau so narzisstisch wie die Nazis seinerzeit in Deutschland. Die penibel dokumentierten Aufzeichnungen über die Gefangenen und die vielen Fotografien sprechen ihre ganz eigene Sprache über die damalige Zeit.

Von mir gibt es keine Fotos aus dem Museum. Keine Fotos von den blutbefleckten Zellen, keine Fotos vom Galgen, keine Fotos von den damaligen Insassen, deren Bilder an langen Stellwänden aufgehängt sind.

Auf der Seite tuolsleng.com könnt ihr euch euer eigenes Bild machen. 

Außerdem haben wir eines von über 300 (!) „Killing Fields“ besucht. Bei den Killing Fields handelt es sich um Massengräber, in denen seinerzeit alle Leute, die nicht in das Bild der Roten Khmer passten, auf brutalste Art und Weise umgebracht wurden.

Ich erspare euch auch hier die Einzelheiten. Es gibt genügend Literatur und Filme über die Killing Fields. Auch im Netz findet ihr viele Informationen.

Ein Beispiel für die Brutalität möchte ich euch allerdings doch noch kurz geben. Könnt ihr euch vorstellen, Babys in die Luft zu werfen und dann mit einer Machete „aufzufangen“? Oder Kleinkinder so lange gegen einen Baum zu schlagen, bis diese tot sind?

Mir treten beim Schreiben schon wieder die Tränen in die Augen …

Ich habe niemanden auf dem Choeung Ek Killing Field gesehen, der sabbelnd oder unbeeindruckt durch die Gegend ging. Das Feld – und die Dokumentation über den im Preis inbegriffenen Audio-Guide – berührt die Herzen ganz tief.


Ich empfehle jedem Besucher Kambodschas den Besuch dieser beiden Stätten. Gerade weil sich die Geschichte auch heute noch in vielen Ländern wiederholt … 

Die Roten Khmer wurden übrigens nach ihrem Sturz durch die Vietnamesen von vielen Ländern immer noch als legitime Vertretung Kambodschas anerkannt. Insbesondere die USA und England lehnten die Vietnamesische „Besetzung“ Kambodschas ab. Außerdem wurden sie jahrelang mit (westlichen) Waffen beliefert …. Offizielle Berichte der Kambodschaner über die Gräueltaten der Khmer Rouges wurden verharmlost und von etlichen Ländern der Vereinten Nationen als „Einzelfälle“ dargestellt. 2 Millionen Einzelfälle? Hallo? 

Ein offizieller Prozess gegen die Roten Khmer wurde erst 2007 (!), also fast 20 Jahre nach ihrem Sturz, in die Wege geleitet. Ermittelt wurde nur gegen 4 (!) Leute der fast 2.000 Leute umfassenden Führungsriege. Welch ein Hohn und welch ein Schlag ins Gesicht der kambodschanischen Bevölkerung …

Das in den 90-er-Jahren bereits in Kambodscha abgehaltene Tribunal wurde von etlichen Staaten, allen voran die USA und China, offiziell niemals anerkannt. 

„Brother Number One“ Pol Pot kam dieses sicherlich zu gute. Er lebte nach seinem Sturz jahrelang an der Grenze zu Thailand, war zweimal verheiratet, hatte Kinder und diverse Enkelkinder.

Wenn man sich überlegt, dass viele seiner Opfer aufgrund seines Wahns nicht einmal 2 Jahre alt wurden, könnte man den ganzen Tag im hohen Schwall kotzen … Ich jedenfalls!

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