Sicherheit in Südafrika

Ich halte mich nicht für ängstlich und wer mich kennt, wird wahrscheinlich bestätigen, dass ich auch nicht unter Verfolgungswahn leide!

Ich möchte dennoch einmal kurz etwas zu dem Thema „Sicherheit“ in diesem Land schreiben.


Ich bin viel gereist und ich habe mich bisher – außer auf Jamaica – in keinem anderen Land so unsicher beim Reisen gefühlt wie in Südafrika!

Und ich bin damit nicht alleine …

Ich habe mich mit schwarzen und weißen Südafrikanern und mit Frauen und Männern aus aller Herren Länder unterhalten.

Immer – und wirklich immer! – kam ganz schnell das Thema Sicherheit zur Sprache.

Südafrika hat die zweithöchste Kriminalitätsrate der Welt (nach Kolumbien), insbesondere in den Bereichen Mord, Schussverletzungen, Totschlag, Vergewaltigung, Körperverletzung und Raubüberfällen.

Und nach Auskunft einer südafrikanischen (schwarzen) Frau hält sie diese – nun wahrlich nicht berauschende – Quote noch für geschönt.

„Most of the south-african people don’t go to the police if they get ropped or rapped! You waste your time!“

Wollt ihr ein paar Beispiele hören?

Eine südafrikanische schwarze Frau berichtete mir, dass sie mit ihrem deutschen weißen Freund am frühen Abend mitten in der Stadt in Durban überfallen wurde. Sie waren essen und sind mit einem Taxi zurück nach Hause gefahren. “Never walk alone on the streets after dark!”

Sie hatte das Geld bei sich im BH verstaut, ihr Freund hatte nur ein wenig Taxigeld in der Hosentasche. Sie hatten also weder Handtasche noch Rucksack dabei, woraus man hätte schließen können, dass sie Wertgegenstände bei sich tragen.

Als sie aus dem Taxi stiegen, wurden sie von ein paar Typen umringt. Sie wurde beiseite geschoben, ihrem Freund wurde dafür gleich die Knarre an den Kopf gehalten …

Die Beziehung hat übrigens nicht lange danach geendet. Er konnte und wollte nicht mehr in einem Land wohnen, in dem man sich nicht frei bewegen kann.

2 israelische Frauen berichteten von einem fingierten Verkehrsunfall in Port St. Johns. Bei Ankunft in dieser kleinen Stadt wurden sie von einem Afrikaner “gestreift”. Der Mietwagen war weiterhin fahrbereit, aber natürlich mussten sie den Unfall bei der Polizei melden. Das hat 2 Tage gedauert und etliches an “Bearbeitungsgebühr” für die Polizisten gekostet.

Marco aus Johannesburg wurde für eine Nacht willkürlich in einem Gefängnis festgehalten. Sein Freund war wegen angeblicher Trunkenheit am Steuer von einem Polizisten angehalten worden. Als Marco eine Diskussion mit dem Polizisten anfing, haben sie ihn gleich mitgenommen und in eine Zelle mit 40 weiteren Leuten gesteckt. Darunter waren Schwerstverbrecher wie Mörder und Brandstifter, die es natürlich auch ziemlich lustig fanden, dem weißen Mann noch ein wenig mehr Angst einzujagen …

„Talk to the police? Never again!“

2 Schwedinnen wurden direkt nach der Ankunft in Johannesburg am Flughafen (!) am Taxistand ausgeraubt. Alles weg … Und niemand hilft!

Piet ist 10 Monate alleine mit einem Fahrrad durch Afrika gereist. Ratet, wo er überfallen und ausgeraubt wurde? Richtig … in Südafrika!

Jonathan, ein Bär von einem Südafrikaner, erzählte mir, dass er nie mit Wertsachen aus dem Haus geht. Sein Smartphone liegt genau wie sein Geld im Safe. Geldautomaten benutzt er nur innerhalb der Banken und niemals auf der Straße. „You used an ATM at a petrol station? You are a lucky woman that nothing happened to you and your doughter!“

Die üblichen „normalen“ Raubüberfälle führe ich hier jetzt nicht weiter auf. Das würde den Post sprengen, der wahrscheinlich sowieso schon viel zu lang geworden ist.

Drücken wir es mal so aus: Es gehört in Südafrika dazu, überfallen zu werden und das gilt für schwarz und weiß gleichermaßen. Wie meinte eine Südafrikanerin achselzuckend zu mir? „You get used to this!“

Jedes Guesthouse (mit Ausnahme in Sedgefield in unserer sicheren Area) hat uns mit Sicherheitstips ausgestattet.

“Don’t wear valuables!”
“Don’t wear juweleries!”
“If you want to join the beach, take the dogs with you!”
“Never walk on the streets after dark!”
“Be calm if something happened to you! You could be killed if they think you will fight against them!”
„If you go by car, lock the doors and close the windows! And if you had to stop on a redlight and something is unusual drive and don’t stop!“
“Don’t use the blablabla-road!”
“Take a taxi! But don’t use a not registered taxi!” (Manchmal schon recht schwer zu erkennen …)
“If possible, share a taxi with other people!”

Ich mag es nicht, so zu reisen! Ich mag es überhaupt nicht!

Ich mag es, abends am Strand zu sitzen und dort in einer Bar ein Sonnenuntergangsbier zu trinken. Kann man in Südafrika nicht! Es gibt nämlich keine Strandbars! Und es gibt keine Leute, die nach Einbruch der Dämmerung noch unterwegs sind.

Wenn ich abends feststelle, dass meine Zigaretten alle sind, möchte ich gerne zur nächsten nur 50 Meter entfernten Tankstelle gehen können, ohne den Sicherheitsmann des Guesthouses darum bitten zu müssen!

Ich finde es furchtbar, in den Backpackern und Hostels die ganze Zeit von mit Waffen oder Schlagstöcken bewaffneten Sicherheitsdiensten bewacht zu werden und meine Freizeit abends hinter Elektrozäunen verbringen zu müssen.

Wenn ich an einem Geldautomat Geld ziehe und neben mir ein Mensch mit einem Maschinengewehr steht, um sicherzustellen, dass ich nicht am Geldautomat überfallen werde, beruhigt mich das ehrlich gesagt auch nicht gerade …

Man kann Südafrika sicherlich gut bereisen, wenn man eine organisierte Tour mit dem Bus durch’s Land macht oder sich sogar (oh Gott, wie verwegen!) eine Trucktour aussucht. Dann bekommt man von dem oben beschriebenen und dem wahren südafrikanischen Leben allerdings sicherlich nicht viel mit und schwärmt zuhause von dem Land.

Und man kann sicherlich auch seinen Urlaub an den Stränden in Kapstadt verbringen, dort ein bisschen abhängen und surfen. Dann bekommt man von den Zuständen im Land auch nicht viel mit …

Die Frage ist nur, wem hilft das? Und wem nützt das? Den Leuten, die auf der Straße betteln und sich ihr Essen aus den Mülltonnen oder den Müllbergen zusammen suchen sicherlich nicht …

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