Weltkulturerbe Luang Prabang

Luang Prabang gilt nach Meinung vieler Reisender als eine der faszinierendsten Städte Südostasiens.

Das ist – meiner Meinung nach – ein wenig übertrieben. 

Die Stadt hat zwar ein tolles Flair, aber herausragende Sehenswürdigkeiten gibt es hier nicht. Dafür gibt es allerdings an jeder Ecke einen roten oder goldenen Wat, viele alte Gebäude im Kolonialstil und kleine schnuckelige Straßen. Ein Erbe der Franzosen, die lange in Laos vorherrschten.

Orange gekleidete Mönche gehören zum alltäglichen Straßenbild.


Dank des Status als Weltkulturerbe gibt es weder Busse noch Laster in der Stadt. Dafür aber eine allgegenwärtige Tuktuk-„Mafia“. Die Preise sind vollkommen überzogen und entsprechen fast den Taxipreisen in Deutschland. Handeln ist zwecklos, jeder bleibt bei dem (wahrscheinlich vorgegebenen) Preis. Die meisten Touristen sind daher mit dem Fahrrad oder aber zu Fuß unterwegs. Zum Glück ist die Stadt ist klein und überschaubar.


Aufgrund der relaxten Atmosphäre bleiben viele Leute viel länger als geplant in Luang Prabang.

Einige Leute bleiben allerdings auch kürzer als geplant, denn so viel Komfort und Schönheit hat natürlich ihren Preis :).

Fast alles kostet Eintritt!

Einmal auf den Phou Si (den Hausberg von Luang Prabang) klettern – 20.000 Kip each weg.

Einmal zum Wasserfall fahren – 200.000 Kip weg.

Einmal das Nationalmuseum besuchen – 50.000 Kip each weg.



Einmal auf Toilette gehen und nichts verzehren – 5.000 Kip weg.

Einmal mit dem Boot auf die andere Seite des Mekong fahren – 50.000 Kip (!) weg (die Fahrt dauert ungefähr 3 Minuten).


Selbst die Stadtpläne in der Tourismusinformation kosten Geld – wieder waren 30.000 Kip weg :(.

Essen gehen ist verhältnismäßig teuer (jedenfalls für asiatische Verhältnisse). Zu zweit mit einem Getränk ist man schnell 100.000 Kip los.

Wir ernähren uns daher größtenteils an den Straßenständen, die es zum Glück überall zuhauf gibt.


Und manche Dinge kosten auch kein Geld! So zum Beispiel eine Musikdarbietung, die jeden Tag um 16:00 Uhr in den Wats und Klöstern abgehalten wird.

Junge Mönche schlagen die Tempeltrommeln und singen dazu ihre Mantras. Dieses zieht sich von einem Tempel zum anderen, insbesondere auf der Hauptstraße, der Th. Sisvangvong.


Ich mag solche Kleinigkeiten ja sehr und bin immer ganz berührt davon. 

Andere Leute allerdings nutzen solche Rituale anscheinend nur dafür, ihre Kamera in die bestmögliche Position zu bringen :). 

Wir haben einen Touristen mitbekommen, der – nicht nur, dass er fast über die jungen Mönche gestolpert ist, weil er sein riesiges Objektiv in deren Gesichter halten musste – sich auch noch auf den „Hochsitz“ des Tempels drängelte, um zwischen den musizierenden und singenden Mönchen durchzulaufen und das beste Foto zu schießen. Ich bin nicht gehässig, aber wäre dieser Mensch gestolpert und vom Hochsitz gefallen … Ich hätte ihm dieses gegönnt!

Wie schon in Nepal im Pashupatinath ist manchmal ein wenig Fremdschämen angesagt 🙂

Ähnlich verhält es sich beim allmorgendlichen Bettelgang der Mönche. Aber dazu gibt es einen eigenen Post …

Wenn man Luang Prabang besucht, sollte man schon ein wenig Interesse an Tempeln und Buddhismus haben. Ansonsten langweilt man sich wahrscheinlich ein wenig. 


Allerdings gibt es auch noch jede Menge Outdoor- und Ausflugsmöglichkeiten. 

Diese haben wir aber nicht großartig genutzt. Die meisten dieser Aktivitäten kosten viel viel Geld und ob ich es nun so erstrebenswert finde, auf einer geführten Tour irgendwelchen armen Dorfbewohnern meine Kamera ins Gesicht halten zu müssen, sei mal dahingestellt …

Mir reichen auch Mönche und Buddhastatuen, um ein Flair für eine Stadt zu bekommen :).

Nachteil der Schönheit von Luang Prabang ist natürlich, dass viele der schönen alten Häuser restauriert und in Kunsthandwerks- oder Antiquitätenläden und zu Boutique-Hotels und Wellnesstempeln umgewandelt wurden.  Oder halt zu schicken Restaurants und Cafes, in denen Touristen im Schatten der Palmen oder unter Schirmen ihre Getränke schlürfen. Da bleibt wenig Platz für die „normale“ Bevölkerung der Stadt, die sich Luang Prabang schon lange nicht mehr leisten kann und immer mehr ins Umland abwandert …

Luang Prabang ist außerdem ein wenig Shoppingparadies. Es gibt viele kleine Boutiquen, Fair-Trade- und Bioläden und einen großartigen Nachtmarkt, auf dem Kleidung, Schmuck, Taschen, Seidenschals, Decken, Töpferwaren und ähnliches verkauft werden. Die Verkäufer wirken – im Gegensatz zu anderen Märkten in Asien – eher etwas gelangweilt und beschäftigen sich lieber mit ihren Smartphones als mit den Touristen :). Ich vermute mal, dieser Nachtmarkt ist der entspannteste in ganz Südostasien!

Wir wohnen übrigens 5 Minuten vom Nachtmarkt entfernt in einer ruhigen kleinen Gasse. 

Bei der Ankunft am Bootsanleger in Luang Prabang musste ich leider mit Entsetzen feststellen, dass 1. weder Schlepper der Guesthäuser der Stadt bereit standen, um uns kostenfrei in die Stadt zu bringen und 2. die Fahrt nach Luang Prabang rein pro Person 20.000 Kip kosten sollte. Auch hier gab es dank der Tuktuk-Mafia keinerlei Verhandlungsspielraum!

Dumm war nur, dass wir nur noch 3.000 Kip in bar dabei hatten. Fehlten also locker 37.000 Kip.

Und laufen ging auch nicht, da die Stadt ungefähr 10 km vom Fähranleger entfernt liegt …

Wir mussten uns daher Geld von einem Laoten leihen, in dessen „Mao Phaosok Guesthouse“ wir jetzt auch wohnen. Ausgleichende Gerechtigkeit! Und ob wir nun bei ihm oder bei seinem Nachbarn wohnen, ist schließlich egal. 

Das Zimmer ist groß, die Leute nett und es gibt Bananen und Wasser for free. Insbesondere die Bananen erfreuen das Herz von Hannah 🙂




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