If you survive Varanasi you will survive every city in the world!

So lautet ein alter Spruch unter Asien- und Indienreisenden …

Ich habe diesen Spruch seinerzeit als blutjunges schickes und damals noch schlankes Mädel das erste Mal in Bangkok gehört, als ich morgens um 5:00 Uhr alleine am Busbahnhof stand und nicht wusste, wohin ich in dieser für mich damals riesengroßen Stadt gehen sollte.

Was passierte? Ein Typ kam vorbei, tätschelte mein Knie und meinte: „Bangkok? Not a thing to talk! You have to go to India … to Varanasi … blablablubb!“

Der Spruch verfolgt mich seitdem!

Jeder erzählt von dem Chaos in Varanasi und jeder schüttelt wissend (und manchmal auch ein wenig überheblich) den Kopf …

Nun kann ich endlich mitreden! 

Und wie ist Varanasi? Wie soll man es beschreiben?

Ich finde, man kann es gerade NICHT beschreiben. 

Es ist weder schön noch ist es schrecklich. Es ist aber auch nicht nur schön oder nicht nur schrecklich. Wahrscheinlich ist es für einige Leute schrecklich schön, für andere wiederum schön schrecklich! Ich hänge mit meiner Weisheit so dazwischen.

Überall – wirklich überall – flitzen Affen herum! Auf den Straßen, auf den Dächern, auf den Balkonen, an den Ghats …. überall!


Überall laufen Kühe herum! In den Straßen, in den Gassen, vor unserem Guesthouse, auf den Treppen der Ghats, vor den Tempeln. 

Sie stecken sogar die Köpfe in unseren Hauseingang! So nach dem Motto: „Na Puppe, heute schon was vor? Oder ziehen wir gemeinsam um die Häuser?“

Nur auf die Dächer kommen sie nicht herauf 🙂

Und überall scheißen sie hin! Auch nicht ganz so schön ….

Alle Plätze, die nicht von Affen oder Kühen belegt sind, werden von räudigen Hunden, freilaufenden Schweinen und zu Kälbchengröße mutierten Ziegen bevölkert. Hinzu kommen die vielen vielen Inder und Schwärme von Fliegen.

Ist das schön? Oder ist das schrecklich?

Wir wohnen sehr indisch! Wer schon mal in Indien war, wird wissen, was ich meine 🙂

Unsere Gasse ist ca. 80 cm breit, mit den ganzen Kühen und Hunden ist kaum ein Durchkommen. 


Viele Familien haben anscheinend weder sanitäre Anlagen noch fließendes Wasser. Morgens und abends ist der Platz, an dem der öffentliche Wasserhahn steht, restlos übervölkert. Das gleiche gilt für die öffentlichen Toiletten.

Wir allerdings wohnen sehr schön in einem neuen, sehr sauberen und kleinen Guesthouse mit Blick auf den Ganges und einer wunderbaren Dachterrasse, von der aus ich einen großartigen Blick auf die Dächer der anderen Häuser habe.

Die Kinder lassen von dort mit den Vätern Drachen steigen, die Alten sitzen an den Ecken und meditieren. Vielleicht schlafen sie aber auch nur 🙂

Vor uns liegen 2 indische Tempel, neben uns liegen 2 Moscheen. Könnt ihr euch die Geräuschkulisse ungefähr vorstellen, wenn morgens zum Gebet gerufen wird? Und abends?

Und der indische Tempelgesang setzt ungefähr zeigleich ein.


Und der Ganges?

Hmm … was soll ich zu ihm sage?

In meinen Augen handelt es sich um einen (nicht einmal allzu breiten) verdreckten und vermüllten Fluss. Aber ich werde einen Teufel tun und irgendwelche Kritik an Mother Ganga loslassen.

Wie in Pashupatinath gilt es als große Ehre, als Hindu am Ganges verbrannt zu werden und seine letzten Tage hier zu verbringen.

Viele alte Leute kommen hierher, baden ein letztes Mal im Ganges, trinken das Wasser (was ihr Sterben im Zweifel sicherlich beschleunigen wird!) und warten dann auf ihren Tod.

Die Bestattungszeremonie hier an am Harishchandra Ghat und dem Marnikana Ghat hat mir im übrigen überhaupt nicht gefallen. Kein Vergleich zu den Bestattungen in Nepal und äußerst würdelos!

Die Leichen werden im Schnellschritt von den Trägern am Ganges abgelegt, angezündet und das war’s! 

Nix mit ein bisschen Voodoo und Blümchenschmuck. Dafür aber laufen auch dort die Kühe und Ziegen und Hunde herum und wühlen im Dreck herum. Ich will mir gar nicht vorstellen, dass sie dabei eventuelle Reste von den Knochen abknappern …


Ansonsten wird der Fluss für das komplette Leben genutzt. 

Kinder werden getauft, Alte sterben, Yogis meditieren, Musiker musizieren, Kinder lernen für die Schule oder betteln um Essen, die Leute waschen sich und ihre Wäsche, Essen wird zubereitet und verzerrt, Schauspieler üben für ihre Rollen, Touris üben Yoga und Mudras, für’s Fotoalbum werden Familienfotos geschossen, Händler versuchen, ihre Waren an den Mann zu bringen, Sadhus lesen in ihren heiligen Schriften, Bootsleute locken mit lauten „Cheap Cheap“-Rufen Touristen in ihre Boote und zwischendurch wird der Fluss auch noch als Toilette, Trinkwasserreservoir oder Abwaschbecken genutzt.





Alles sehr speziell und sicherlich interessant!

Allerdings muss man meiner Meinung nach schon sehr esoterisch oder gläubig sein oder ganz bestimmte Pillen genommen haben, um das alles nur toll zu finden :). Ich habe sogar einen Touristen gesehen, der vor den Verbrennungsghats in der Asche (und damit wahrscheinlich auch auf den übrig gebliebenen Knochen) ganz entspannt im Hier und Jetzt gesessen und meditiert hat! In kurzen Hosen!

Ebenso gibt es westliche Touristen, die barfuß durch diesen ganzen Dreck in der Stadt laufen. Grund sind wahrscheinlich auch hier die Vibes der Esoterik-Seminare oder aber kleine bunte Pillen.

Ich persönlich lobpreise jeden Tag den Hersteller meiner Meindl-Wanderschuhe! Jeden Tag, morgens, mittags und abends, dass ich diese Schuhe besitze und nicht mit meinen Chucks oder gar mit Flippies durch diesen Modder laufen muss.

Aber die Leute sind halt verschieden 🙂 Und das ist ja auch gut so!

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