Backpacking? Flashpacking? Gibt es nicht noch bessere Worte?

Heute gibt es einen Post, der nicht mit einer bestimmten Reise zu tun hat.
Ich hoffe aber, ihr könnt dennoch damit etwas anfangen 🙂

Beim Mittagessen erzählte ich heute einer Kolligen, dass ich ab September ein 8-monatiges Sabbatical nehme und mit Hannah durch die Gegend ziehen werde.

Natürlich kamen die üblichen Fragen: „Wie kannst du dir das denn leisten?“ oder „Wie hast du das denn alles organisiert?“

Den Post zum Thema Finanzierung könnt ihr übrigens hier nachlesen.

Zu diesen Fragen, die IMMER kommen, (wisst ihr wahrscheinlich selbst, wenn ihr solch einen Trip schon mal gemacht habt oder plant), fiel irgendwann der Satz: „Ach, du bist also eine richtige Backpackerin?“

Meine erste Reaktion war „Natürlich!“

Aber gefühlte 7 Sekunden später fiel mir auf, dass das inzwischen ja ein ziemlich ausgelutschter Begriff ist.

Oder?

Meine erste „Rucksackreise“ (ja, ja, lacht nur drüber … aber so hieß es damals!) ging mit 23 Jahren naiv und unbedarft für 2 Wochen nach Jamaica. Ein wenig (sehr wenig sogar!) habe ich unter diesem Post hierzu schon einmal kurz geschrieben.

Englisch wurde hip, die Zeiten änderten sich und aus den Rucksackreisenden wurden auf einmal Backpacker :)!


Meine erste „richtige“ Backpackertour führte mich mit 24 Jahren nach Thailand. 6 (!) Wochen Freiheit, die ich meine, 6 Wochen keine Verpflichtungen … Vor 25 Jahren gab es weder Handys noch Internet! Postkarten schreiben war angesagt … und glaubt mir! Ich HABE Postkarten geschrieben und meine Eltern haben kaum eine bekommen … Insofern ist es heutzutage ziemlich albern, wenn Eltern ihre Kinder nicht loslassen können, alles organisieren und im Grunde genommen jeden Abend mit ihnen skypen können …

Aber ich schweife ab …

Es gab nicht einmal Kreditkarten! Jedenfalls nicht für mich mit meinem geringen Monatseinkommen! Ich musste mir Travellerchecks besorgen und – wenn ich Geld benötigte – von Koh Phangan aus nach Koh Samui oder Surat Thani rüberschippern und mich in die Schlange in der Bank einreichen und Geld tauschen … Hat seinerzeit 2 Tage Reisezeit gekostet!

Ich musste auf’s Geld achten. Ich habe in den billigsten Unterkünften gewohnt, nur an Straßenständen gegessen und bin nachts mit der Bahn in der 3. Klasse im Nachtzug sitzend auf der Holzpritsche von Ayuatthaya nach Chiang Mai gereist … kein Problem! Ich konnte mir damit den Preis für eine Übernachtung sparen und – Ohrstöpsel im Ohr, den Kopf an die Fensterscheibe gelehnt und den Rucksack zwischen den Füßen – wunderbar schlafen. 

Heutzutage ist das anscheinend ein wenig anders … sowohl von den technischen als auch von den üblichen Reisevorbereitungen  … aber damals war es so. No prob :)!

Ein Jahr später ging es für 5 Wochen nach Indonesien!

Dort habe ich dann irgendwann mangels schwindender Reisekasse (die Preise für die Gili Islands und das indonesische Bier hatte ich anscheinend etwas unterschätzt :)) sogar auf dem Fußboden eines Restaurants geschlafen …

Also … wenn jemand das Prädikat „Backpacker“ benutzen kann, bin ich es :).

Haha, kleiner Witz!

Nach den oben beschriebenen 7 Sekunden kam ich ins Nachdenken!

Und deshalb möchte ich gerne noch einmal eine Frage ins www schmeißen:

Bin ich wirklich noch ein Backpacker? Oder ein Flashbacker? Oder geht es nicht einfach nur um Worte?


Ich reise immer noch günstig … on a budget sozusagen! 

Ich packe meinen Rucksack (okay … manchmal auch meinen kleinen Trolley, den ich hinter mir herziehen kann) und fahre los. Meistens ohne einen genauen Plan, aber dennoch gut informiert. Willst du mehr dazu wissen, guckst du hier! 

Aber die Zeiten (und damit auch meine Reisen) haben sich geändert! Sehr sogar …


Ich reise inzwischen gerne mit etwas mehr – ich nenne es mal – „Annehmlichkeiten“.

Aus diesen Gründen bin ich wahrscheinlich keine „klassische Backpackerin“ mehr:

  • Der schnöde Mammon ist nicht mehr limitiert … ich muss einfach nicht mehr so auf’s Geld achten und buche mir auch mal einen Flug, wenn er günstig ist und mich in kurzer Zeit zu meiner Wunschdestination bringt 🙂
  • Ich schlafe inzwischen gerne alleine! Und muss mir nicht mehr mit irgendwelchen Reisebekanntschaften einen Bungalow teilen …
  • Manchmal gönne ich mir sogar ein schickes schickes ganz schickes Hotelzimmerchen 🙂 … Gerne auch mit Pool!
  • Wenn ich die Wahl habe, um 6.00 Uhr morgens mit der Bahn 3 Stunden durch die Wallapampa zu fahren, um einen bestimmten Tempel zu sehen und diesen dann erst nach einer weiteren Stunde zu Fuß erreichen kann, bestelle ich mir einen privat driver … ich kann 2 Stunden länger schlafen, er verdient sich Geld und ich bekomme (meistens) noch eine Führung und Insiderinformationen dazu 🙂 Klassische WinWin-Situation!
  • Ich nutze Technik! Ich reise mit Lappi (oder Chromebook … ich bin immer noch ganz verliebt in dieses Teil), ich nehme mein Handy mit, ich suche mir (nicht oft, aber immer öfter) meine Sundownerlokale danach aus, ob sie W-Lan haben …
  • Ich gönne mir Massagen, wenn der Rücken vom Laufen und Tragen schmerzt
  • Ich nutze Yoga-Sessions über den Dächern von Indien, wenn sie angeboten werden
  • Ich gönne mir zwischendurch organisierte Ausflüge
  • UND … ich bin fast 50 :)!
Und weshalb denke ich, dass ich dennoch immer noch Backpackerin bin?
  • Ich reise mit wenig Gepäck.
  • Ich achte – trotz größerem Reisebudget – auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und gebe mein Geld bei Einheimischen aus und stopfe dieses nicht irgendwelchen Hotelketten in den Rachen.
  • Ich schmeiße meine Devisen nicht irgendwelchen diktatorischen Herrschern in den Rachen … bestes Beispiel jetzt … Zimbabwe! Seh ich die VicFalls halt nicht ;(
  • Ich esse weiterhin an Food-Stalls … und genieße die Kommunikation mit Händen und Füßen!
  • Ich sitze immer noch gerne auf dem Busdach … auch wenn es immer schwerer fällt, dort rauf zu klettern 😉
  • Ich nutze Grenzübergänge, die nicht überlaufen sind und an denen ich nicht extra „Gebühren“ zahlen muss … im Endeffekt warte ich lieber 3 Stunden an der Grenze und halte Small-Talk mit den Beamten, die nicht daran gewöhnt sind, dass ihr Grenzübergang genutzt wird. Kommt manchen vielleicht anstrengend vor, aber glaubt mir, es macht Spaß :)!
  • Ich hänge immer noch gerne in irgendwelchen Hostels oder Backpackernvierteln ab und labere rum … beste Informationsquellen, wenn man „neu“ in einem Land ist!
  • Wenn ich das Gefühl habe, abgezockt zu werden, gehe ich lieber noch 4 x um die Ecke und kaufe dort ein 🙂
Apropros „abgezockt“ … versteht das bitte nicht falsch:

Wenn ich – damals wie heute – etwas im wahrsten Sinne des Wortes mit „asozial“ verbinde, dann Rikschafahrer um 2 Pfennige und Sarongverkäufer um 20 Cent herunter zu handeln … Egal wie „wenig Geld“ „wir im Westen“ zum Reisen haben, das geht nicht! Achtung Ironie!


Leider war das zu meinen Anfangs-„Backpackerzeiten“ bereits so! Und auch heute ist es noch so, dass Leute sich damit rühmen, so wenig Geld wie möglich für irgendwelche Dienstleistungen zu zahlen … Das bekommt man on the road mit und – viel schlimmer noch – wird dieses manchmal mit stolz geschwellter Brust in einigen Reiseforen kundgetan … Sorry! Kann ich nicht drauf! Will ich auch nix mit zu tun haben!

Mir geht es nicht mehr nur um günstiges Reisen, sondern darum, meine Reisen so zu gestalten, wie ich sie will. Mit einem Rucksack auf dem Rücken. Und mit der Absicht, schöne Erfahrungen zu haben, mit einheimischen Leuten in Kontakt zu treten und die Freiheit des Reisens zu genießen.
Es mag sein, dass ich an bestimmten Abenden Wein, Weib und Gesang … (oder eher Bier, Mann und Gegröhle?) benötige. 
An vielen anderen Abenden aber brauche ich meinen Space und meinen eigenen Spirit, möchte mir einen Sonnenuntergang von meinem alleinigen Bungalow anschauen und Zeit und Ruhe für meine Gedanken und mich haben!
Inzwischen weiß ich dank meiner Erfahrungen, wie ich für mich das Spirituellste, Beste, Schönste, Erquickendste aus meinen Reisen (oder aus meiner Zeit allgemein!) herausziehe!
Manchmal kostet das einfach den Preis einer Massage … oder einer Pediküre mit perfekt lackierten Fußnägeln :).
Allerdings heißt es mich damit nicht automatisch, das eine hochpreisigere Option die „Beste“ ist!
Für mich heißt es aber auch nicht, dass die „ich spare an jedem Pfennig und bin deswegen ein besserer Backpacker“-Leute das Non-Plus-Ultra sind!
Ich werte weder die eine noch die andere Fraktion! 
Stimmt nicht … ich will hier ja ehrlich sein … manchmal „werte“ ich schon … 

Ich rümpfe schon mal die Nase über die Leute, die 2 Wochen pauschal nach Khao Lak fahren und meinen, Thailand erfahren zu haben! Und ich bemerke auch die Leute, die halt die Ananasverkäufer am Strand um 20 Cent herunterhandeln wollen …

Und nun komm ich noch einmal auf die Überschrift dieses Post zurück 🙂
Bin ich nun Backpacker? Einfach aus dem Grunde, weil ich vor 25 Jahren schon mit dem Rucksack und Travellerchecks unterwegs war? Und immer noch gerne mal am Strand schlafe?
Oder gehöre ich zu dem neumodischen Begriff „Flashpacker“, weil ich mit Lappi und Creditcard durch die Welt ziehe und ein kaltes Bier aus einer Beachbar einem warmen aus meinem Bungalow vorziehe? Und gerne mal eine Dusche benutze?
Oder bin ich einfach nur Bine?
Ich möchte mich nicht bestimmten Begriffen zuordnen lassen!
Wie seht ihr das? 
Ist euch der Begriff „Backpacker“ wichtig, weil ihr damit ein bestimmtes „Klischee“ erfüllt? 

Ist nicht böse gemeint … und gilt für viele Typen:

Sowohl für die „alten“ Leute (wie mich) als auch für die Leute, die mit einem Auto durch Australien fahren oder für diejenigen, die sich ein Auslandsjahr gönnen, Party machen oder sich in diversen Kleidchen ein Sabbatical gönnen …

Oder fokussiert ihr euch als „Flashpacker“? Könnt ihr ohne ein bestimmtes (technisches) Equipment nicht losfahren? Ohne bestimmte Kleidung? Plant ihr eure Reise nach eurem Budget? Lasst ihr Länder „links“ liegen, weil sie politisch inkorrekt sind? Auch wenn ihr sie gerne erkunden würdet? Gönnt ihr euch einfach auch mal Sachen, an die ihr vor Jahren noch nie gedacht hättet?
Haben sich eure Reisen im Laufe des Jahres verändert?
Ich bin gespannt auf eure Kommentare! 

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