Kap Arkona


Nach einem fantastischen Frühstück machten wir uns am nächsten Tag bei strahlend blauem Himmel langsam auf den Weg zum Kap Arkona!

Erster Halt war Altenkirchen!
 

Bekannt ist dieser Ort durch den Schriftsteller Gotthard Ludwig Theobul Kosegarten, der Ende des 17. Jahrhunderts seinerzeit auch Pfarrer in dem Ort war. Zu seiner Zeit war er ziemlich „hip“ und verkehrte mit solch illustren Zeitgenossen wie Caspar David Friedrich, Goethe, Schiller und Herder. Dass sich sein Ruhm eher verpflüchtigt hat, liegt wohl daran, dass ihm – insbesondere wenn er über die Insel Rügen schrieb – oftmals die Feder durchging 🙂

Ein kleines Beispiel gefällig? Dann wisst ihr, was ich meine 🙂

„Dort, wo umschäumt Arkona
die Brust der Wogen beut
schaut glanzberauscht das Auge
in die Unendlichkeit.“

Auf der Insel war der liebe Herr Kosegarten allerdings mehr durch seine Uferpredigten als durch seine Schriftstellerei bekannt. Dazu später mehr 🙂

Außerdem ist der Ort natürlich für seine schöne „Alte Kirche“ aus dem 12. Jahrhundert bekannt.


Ich habe mich noch kurz auf die Suche nach dem Grab von Gotthard Ludwig Thebul (was für ein Name!) gemacht, leider ohne Erfolg.

Dafür bin ich fast über diesen Kopf gefallen!




Kaum vorstellbar, aber anscheinend bin ich manchmal ein kleiner „Hans Guck in die Luft“, wie meine Oma früher immer sagte.

Gibt es diesen Ausdruck eigentlich noch? Mir fällt gerade auf, dass ich diesen ewig nicht gehört und nicht benutzt habe.

Aber ich will nicht abschweifen … 🙂

Bei unserer Weiterfahrt auf verboten Fahrradwegen (O-Ton Thomas: „Ich fahr hier mal rein, Schatz! Die Strecke ist bestimmt viel schöner!“) fanden wir mehr oder weniger zufällig das 5000 Jahre alte Megalithgrabe bei Nobbin. Hätte ich mir sonst nicht unbedingt angeschaut, aber wenn es schon mal am Wegesrand liegt …



Tja, landschaftlich war die Strecke sicherlich „viel schöner“. Obwohl die Alleenstraßen auf Rügen ja nun auch kein Schmutz sind …

Nicht so schön war allerdings, dass uns die Fahrradfahrer teilweise beschimpft haben, weil wir ihnen ihre Wege streitig gemacht haben …

Egal! Ein Gutes hatte diese Fahrt auf jeden Fall. „Viel schönere“ Blicke die Küste lang und so gelangten wir auch viel schneller nach Vitt. Ich hatte über dieses Dorf schon im Reiseführer gelesen und wollte unbedingt dort hin. 

Und da lag es! Praktisch zu unseren Füßen! Schade nur, dass das gesamte Gebiet um Vitt herum für den Autoverkehr gesperrt ist. Man kann nur zu Fuß, mit einer Kutsche und einer Bimmelbahn dort hinkommen. Fiel also gar nicht weiter auf, dass wir mit unserem knallroten großem Dacia-Kombi über die Hügel ins Dorf einfuhren …

Vitt steht vollkommen unter Denkmalschutz und liegt in einer kleinen sich zum Meer öffnenden geschützten Schlucht. Das Dorf besteht aus ungefähr 10 Häuschen und einem kleinen „Hafen“. Hafen? Seien wir ehrlich liebe Vitter Mitbürger. Eigentlich besteht euer Hafen nur aus einem baufälligen Steg, auf dem sich die Möven eingenistet haben :)!

Hier legen allerdings immer noch die einheimischen Fischerböötchen an. 

Wer Lust hat, kann gleich nach dem Anlegen der Boote beobachten, wie die Fische von kräftigen Männern mit wettergegerbtem Gesicht ausgenommen werden („mak ma Platz da!“), bevor sie (die Fische! Nicht die Männer!) schwuppdiwupp nach dem Ausnehmen in die Räucherkammern am Strand getragen werden und von dort aus in die Mündern der Touristen landen! 

Wir hatten übrigens Heilbutt, lecker!


Natürlich ist Vitt „entdeckt“, wir waren beileibe nicht die einzigen Touristen :). Zur Hauptsaison schieben sich wahrscheinlich Massen durch die engen Gassen …

Aber nun noch zurück zur Geschichte von den Uferpredigten:

Die Pastoren in Altenkirchen hatten seinerzeit das Problem, dass die Bauern und Fischer aus Vitt jedes Jahr im Spätsommer den Gottesdienst Gottesdienst sein ließen und lieber auf den Hering warteten! Konnte ja sein, dass der gerade dann erschien, wenn man auf dem langen Weg nach Altenkirchen zum Gottesdienst war! Also kam u.a. Herr Kosegarten (siehe oben) nach Vitt und hielt seine Predigten am Ostsee-Ufer ab, während ein Dorfbewohner die See im Blick behielt und den Gottesdienst zur Not auch einmal schlagartig und ohne Konventionen beendete! Allerdings nicht mit einem (vielleicht) angemessenen „Amen“, sondern mit dem Ausruf „De Hiering kümmt“ …

Gefällt mir persönlich sehr! 

Pragmatisch, praktisch, gut!

Das „Seelenheil“ der Dorfbewohner, das im 17. Jahrhundert ja noch stark von der Kirche (bzw. der Kanzel und dem darauf stehenden Pfarrer) abhing, war nicht gefährdet, der Pastor sah seine Schäfchen und der Hering konnte auch noch eingesackt werden 🙂

So muss das sein!

In Vitt gibt es eine weitere schöne Geschichte: 

Neben den Eingangstüren oder an den Häuserfassaden befinden sich (jedenfalls für mich) eigentümliche Zeichen. Diese „Hausmarken“ dienten früher der Zuordnung von Arbeitsgeräten (Ruder, Heugabel etc.), somit den Berufen der Bewohner. Diese Hausmarken waren fast wichtiger als der Familienname! Die Hausmarken sind auch heute noch zu sehen. Inzwischen gibt es für die Touristen sogar eine Tafel mit „Hausnummernübersetzung …

Auf dem Friedhof befinden sich heute angeblich noch Grabsteine, auf denen sich neben dem Todesjahr nur noch die Hausmarke des Verstorbenen befindet, nicht aber der Name!

Mein Freund Sven wäre begeistert … 🙂

Von Vitt aus ging es zu Fuß über den Hochuferweg zum Kap Arkona.

Man benötigt hierfür ca. 45 Minuten und kann immer mal wieder auf die Strände unterhalb der Steilküste

und zum Kap bzw. zum Felsen blicken.

Das Kap selbst teilen sich gleich 3 Leuchttürme: Der Schinkelturm, der „neue Leuchtturm“ und der Marinepeiltum. Ich persönlich fand diese nun nicht sooooo großartig fotografierenswert … Wer mehr dazu wissen möchte, kann sich diese hier genauer ansehen und auch mehr zu den Geschichten erfahren.

2 der Leuchttürme seht ihr allerdings hier im Hintergrund des Fotos :)!

Zurück wollten wir einen anderen Weg gehen, am liebsten unten am Strand lang.

Die meisten Treppen vom Kliff hinunter zum Strand sind allerdings nach den Erdrutschen im Jahre 2011, bei dem ein Mädchen ums Leben kam, immer noch gesperrt – und werden dieses wohl auch zukünftig bleiben. Wir haben einen einzigen (auf eigene Gefahr) geöffneten Weg gefunden und sind über diesen zurück nach Vitt gelaufen.

Zurück nach Glowe fuhren wir dann auf einer ca. 3 km langen „für Kraftfahrzeuge gesperrten“ Straße mitten durch Putgarten, dem Touri-Ort überhaupt dort oben auf der Ecke! Aber was sollten wir machen … wir parkten ja schließlich im „Sperrgebiet“ und konnten unser Auto schlecht stehen lassen.

Ehrlich gesagt war ich heilfroh, dass mein Auto überhaupt noch auf dem Bimmelbahnplatz in Vitt stand und nicht abgeschleppt war! 

Da hilft nur Blicke und Flüche der anderen Mitbürger zu ignorieren und freundlich lächelnd am Polizeirevier vorbei zu fahren … 🙂

Und die „viel schönere“ Aussicht zu genießen!

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