Worum geht es überhaupt beim Reisen? Ich bin gerade etwas angefressen …

Irgendwann vor ein paar Wochen schrieb ich über angeblich „notwendiges“ technisches Equipment auf Reisen …

Ich fand das schon ziemlich spannend, aber es ist noch zu toppen!

Ich  fühle mich gerade ein bisschen schlecht, weil ich auch dieses Thema wieder ein bisschen durch den Kakao ziehe. Aber ich kann nicht aus meiner Haut 😉

Kommen wir also zu den neuesten Trekking-Hosen, Microfaser-T-Shirts, Best-of-Rucksäcken sowie High-Tech-Schlafsäcken und -Zelten!

Ich bin ein Mädchen 🙂 und kann daher gut verstehen, dass man nicht allzu dämlich aussehend um die Welt ziehen will! Ich finde Schlapperkleidchen, die schnell trocknen, großartig und ich mag auch gerne figurbetonte T-Shirts und Hosen!

Insofern fand ich die Threats zu „Trekkingmode und was man sonst noch braucht“ zwar ganz nett, aber so richtig „mit dem Herzen“ bin ich nicht dabei. Im Gegenteil …

Ich kauf mir Funktionsunterwäsche, damit ich nicht friere und leih mir einen Schlafsack, wenn ich ihn benötige! Und ansonsten ziehe ich auf den Fahrten eine alte Hose oder – wenn es kalt ist – 2 oder 3 Leggings übereinander an! Das war’s!

Wenn ich in Europa zelte (was ich oft tue!), gehe ich den Keller und hole mein (ziemlich) altes Iglu-Zelt heraus und schnappe mir meinen (ebenfalls uralten) Kocher, damit ich morgens meinen Chai machen kann.

Komm ich seit über 20 Jahren gut mit über die Runden und – glaubt es oder glaubt es nicht – auf meinem alten Kocher mit meinem alten Kochgeschirr kann ich perfekte Spaghetti und Nudelsoßen zubereiten! Ich gehe in einen Supermarkt und kaufe Tomaten und Thunfisch und habe eine perfekte „Thunschiss-Soße“ wie meine Freundin Elke sagen würde 🙂 Oder ich schnippel 2 Chilis und eine Knoblauchzehe in viel Olivenöl, lasse dieses aufköcheln und habe leckere „Spaghetti Aglio e Olio“, wie es auf einer guten Restaurantkarte heißt :).

Allerdings ändern sich die Zeiten anscheinend …
Wenn ich einige Foreneinträge lese, habe ich das Gefühl, dass ich ohne eine „spezielle-Essens-Ausrüstung-für-Traveller“ gar nicht mehr losreisen kann. Da gibt es exklusive „Reis mit Curry-Mischungen“, die man nur nur noch mit Wasser auffüllen muss. Hallo? 

Gibt es natürlich auch nur von irgendwelchen teuren Anbietern, deren Preis-/Leistungsverhältnis ich nicht beurteilen kann.

Super Idee, wenn man mitten in der Walla-Pampa hockt oder kurz vor der Besteigung des K2’s steht! 

Da bin ich vollkommen dabei! 

Aber wenn ich 3 Monate durch Indien reise? Wo es Reis und Curry an jedem Straßenstand für 75 Cent gibt?


Und dann gibt es Überlegungen, ob man sich ein High-Tech-Zelt (!) für eine verhältnismäßig kurze Zeit in Südostasien (!!) für 500,00 Euro kaufen soll und bittet dafür um Tips.

Sorry, aber da schlackere ich mit den Ohren!

Wir reden nicht von einer Expedition in Nepal oder Laddakh in 6.000 Meter Höhe über mehrere Monate!

Wir reden nicht einmal davon, dass wir den Sommer über an der Atlantikküste in der Bretagne an einem einsamen Strand zelten wollen!

Wir reden davon, dass man 4 Wochen durch Laos und Kambodscha reist, Zimmer für 10,00 Dollar (incl. Frühstück!) bekommt und bei tendenziell Temperaturen um 35 Grad keine Lust hat, auch nur 5 Gramm mehr Gepäck als nötig mit sich rumzuschleppen …

Ich jedenfalls! Wenn ich dort etwas brauche, ist es eine Hängematte! Und diese hängt auch noch (meistens) vor jedem Zimmer und braucht demnach ebenfalls nicht mitgeschleppt werden …

Und ich kann auch nachvollziehen, dass man eine gute Softshellhose und -Jacke benötigt, wenn man 1 Monat im Oktober durch Lappland von Hütte zu Hütte zieht und das Wetter schnell umschlägt!  

Aber weshalb benötige ich eine Hightech-Hose mit 25 Extra-Taschen für 199,00 Euro, wenn ich sowieso nur in irgendwelchen abgelatschten Touri-Bussen sitze? Vielleicht, um die Klima-Anlage in diesen Bussen „auszutricksen“? Oder vielleicht doch, um gegenüber irgendwelchen anderen Mitreisenden ein Statement abgeben zu müssen?

Und reicht es nicht einfach, ein paar Wasser-Aufbereitungstabletten mit sich zu führen? Insbesondere, wenn ich die üblichen Traveller-Wege gehe? Muss ich dafür einen großen Threat aufmachen, was Wasseraufbereitungsfilter für 200 Euro betrifft? Und vor allen Dingen … muss ich das mitschleppen?

Schuster, bleib bei deinen Leisten, sag ich immer! 

Wenn jemand autark by feet or bike durch die Welt zieht, sind die obigen sicherlich ein Thema! Ich bewundere solche Leute …

Aber wenn ich durch Australien, Neuseeland, Südostasien, Südafrika und Süd- und Nordamerika für eine begrenzte Zeit reise??? Und mich dabei eher in irgendwelchen Hostels aufhalte? Oder sogar ein Auto miete, was insbesondere in Neuseeland und Australien gerade ganz angesagt ist? Und mir dann noch sogar um ABS/EBS-Krams einen Kopf mache? 

Seien wir mal ehrlich … Über was machen wir uns hier eigentlich Gedanken?
Auch ich hätte gerne im Kopf ein Bild von mir, wo ich autark mal eben mutterseelenallein mit einem Kletterhaken am Gletscher hängend nebenbei ein Menü zaubere und dabei in einem schicken Trekkingoutfit ein Selfie von mir poste … 
Cooles Ding! Aber seien wir mal ehrlich, die wir hier alle mal eben nebenbei einen Blog schreiben …
Wie viele von uns sind denn wirklich Hardcore-Traveller? Wie viele sind alleine im Dschungel unterwegs? Wie viele Leute haben wirklich alles aufgegeben und leben und ziehen nur noch mit 7 Kilo Gepäck durch die Gegend?
Sicherlich gibt es einige (wenige), aber – das Gros von uns muss sich über Zelte, Trekkinghosen, Wasseraufbereitungskatalysatoren, Macheten, Highttechrucksäcke für den Himalaya, Atemmasken and so on meiner Meinung nach keinen Kopf machen.
Wir  können in unserer westlichen Welt mit verhältnismäßig wenig Geld die Welt entdecken! 
Und wenn wir nach unser „Auszeit“ zurück kommen, müssen uns nicht viel Gedanken um unser weiteres Leben machen, weil wir halt nicht in einer Favela leben! Nach unserer „Auszeit“ (die inzwischen im Lebenslauf auch ganz gut ankommt) können wir im Grunde genommen genau so weiter leben wie vorher!
Fast hätte ich jetzt geschrieben: „Wunderbar!“
Natürlich ist es „wunderbar“ … für uns jedenfalls! 
Aber dieses System funktioniert halt nur, weil es auf anderen Kontinenten Leute gibt, die ums Überleben kämpfen. Im wahrsten Sinne des Wortes! 

Und jetzt komm ich nochmal auf die Überschrift zurück … worum machen wir uns hier eigentlich Gedanken?
Seien wir doch mal ehrlich … wir haben ein „First-World-Problem“!



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