Abschiedsschmerz

Also ehrlich gesagt hatte ich mir Colaba um einiges touristischer vorgestellt. Mag sein, dass es daran lag, das es bereits abends war, als wir dort gestern eintrudelten und Mumbai ja sooooo gefährlich ist, aber ich möchte mal behaupten, dass wir zwar nicht ganz die einzigen Touristen waren, aber höchstens zu den 3 % gehörten, die dort rumliefen …

Kino fiel natürlich wirklich flach. Der Film sollte um 21.30 Uhr anfangen und hatte eine Länge von 370 Minuten … Es genügte ein einziger Blick zwischen Hannah und mir, um sprachlos zu entscheiden, dass wir beide das nicht schaffen.

Nach einem ziemlich nichtsagenden Essen in einem westlich angehauchten Lokal mit viel „Schicki-Micki-Indern“ und einem kleinen Bummel an den Marktständen vorbei, sind wir dann auch ziemlich früh wieder nach Hause gefahren.

So waren wir heute morgen fit und haben uns ins Getümmel gestürzt. Erst haben wir uns bisschen durch die Gassen treiben lassen („First time India? You like India?“). Hier mal hin und dort mal lang, genau so wie wir es gerne mögen. Im Park haben wir – wie es uns vorkam – hunderten Menschen beim Kricketspielen zugeschaut und später sind wir dann natürlich auch noch zum Bahnhof gelaufen. 

 

Der Chatrapati Shivaji Terminus (CST), der frühere Victoria Terminus, ist einer der meistbenutzten Bahnhöfe der Welt, was mich nun wirklich nicht verwundert bei der Masse von Menschen, die hier rumläuft. Und auch dort war es wieder: „First time India? You like India?“ Eine ältere „Dame“ sprach uns an. Sie hatte wirklich etwas Damenhaftes an sich. Es stellte sich heraus, dass sie vor langer Zeit 2 Jahre in Deutschland gelebt hatte. Sie sprach sehr gutes Deutsch und schwärmte uns die ganze Zeit von Deutschland vor. Unser Schwärmen von Indien und den Indern ließ sie nicht gelten. „Du siehst nicht, wie es hier wirklich ist! Du siehst nur lächelnde Menschen und bunte Saris! Das ist aber nicht Indien. Indien ist dreckig, Indien ist korrupt und die Menschen hier sind nicht frei! Nicht wie in Deutschland! Und ich vermiss so oft die sauberen Straßen und dass die Städte nicht so überfüllt sind!“ Wir haben lange mit ihr gesabbelt, sie hat sich gefreut und wir haben uns natürlich auch wieder gefreut. Wenn ich so mal so richtig drüber nachdenke, bin ich sehr leicht zu erfreuen. Gib mir einen netten Gesprächspartner, gib mir was zu trinken und zu essen und schon ist alles schick. Sollte ich das mal überdenken? Bin ich naiv? Bin ich zu schnell zufrieden zu stellen :)?

 

 

 

Vom Bahnhof aus sind wir durch die Stadt zum Taj Mahal (dem Hotel natürlich und nicht dem Mausoleum – das steht ja in Nordindien 😉 )gelaufen. Alles zu Fuß, alles mit einer immensen Hintergrundlautstärke, alles in einer Affenhitze. Aber es war sooooooo schön! 

Am Gate of India gab es natürlich wieder eine Fotosession (ich weiß nicht, auf wie vielen indischen Facebookfotos wir verlinkt sind! – ich will es auch gar nicht wissen!) und im Taj Mahal haben wir uns dann eine Cola gegönnt. Ich meine, WENN wir schon mal da sind? Und einen Tisch mit Blick auf’s Gate of India ergattern? Und meine entzückende Tochter neben mir sitzt und Indien so genießt? Dann kann ich auch mal ne Cola im Taj Mahal springen lassen 🙂 … So teuer war sie ehrlich gesagt gar nicht. Natürlich abartig teuer im Verhältnis zu den „normalen“ Restaurants, aber kein Vergleich zum Oriental in Bangkok :).

 

  




 

In Colaba haben wir dann noch ein paar Tücher für uns und Lasse und Thies gekauft, ein paar kleine Silberganeshas für die Berliner und schwuppdiwupp war das Geld auch alle. Also hieß es wieder einmal durch die Stadt latschen (und die ist GROSS, auch wenn wir ziemlich zentral wohnen). 

Nachdem wir Geld gezogen hatten, sind wir noch einmal zurück mit dem Taxi nach Colaba gefahren … und die Geschichte war nicht besonders schön. Wahrscheinlich nur Sprachmissverständnisse, aber ich glaube, dieser Inder findet uns scheiße … und ehrlich gesagt, finden wir ihn auch scheiße! Will ich jetzt nicht weiter ausführen, damit das ja auch nicht bei mir im Gedächtnis bleibt. Manchmal hilft verdrängen ja einfach und ich will mir Indien nicht von einem der 1,2 Milliarden Menschen madig machen lassen.

Lange Rede, kurzer Sinn … Zurück in unserem Hotel haben wir gepackt (man glaubt gar nicht, wie voll eigentliche leere Rucksacke nach einer knapp 2,5-wöchigen Indienreise werden können 🙂 ) und haben uns dann den Sonnenuntergang von unserer Dachterrasse aus angeschaut. Muss ich groß erwähnen, dass mir das Herz schon wieder schwer wurde? Muss ich nicht …

 

 

Später sind wir dann noch zum Chowpatty Beach runter gegangen (30 Sekunden von uns entfernt), DER Ort zum Cruisen für die Inder. Wir waren also nicht alleine :).

Nachdem wir endlich an einen Platz zwischen den ganzen Indern auf dem „Ich will auch auf’s Meer sehen und an der Promenadenmauer lehnen“-Bürgersteig ergattern konnten, war die Taxifahrer-Geschichte dann auch Schnee von gestern. 

Madhu sprach uns an.. „First time India? You like India?“ war natürlich der Einstieg, aber ausnahmsweise wollte der alte Mann gar nicht so viel von uns wissen, sondern mehr von sich „preisgeben“. Ich glaube, er war ein wenig einsam. Er erzählte viel von seinen Kindern, seinen Enkeln („They have no time, not good“) und davon, wie Indien sich in den letzten Jahren, insbesondere in Mumbai, geändert hat. Von den Büchern, die er gelesen hat und über die er früher mit seiner verstorbenen Frau diskutiert hat („I miss her so much. And she’s dead since 15 years.“) und von seinen Reisen durch Indien, insbesondere durch den Norden. („You have to go there. You will love it!“) Sicherlich ein sehr privilegierter Mensch, aber wahrscheinlich auch dadurch auch ein sehr gebildeter Mann. Sein Englisch war fast besser als meines („Gib an, Bine!“) und quasi nebenbei sprach er auch noch deutsch und französisch. Deutsch natürlich, weil er mitbekam, dass wir Deutsche sind, französisch, weil er Hannah nach der Schule fragte und wie bei uns in Deutschland läuft. Ich kann weder Hindhi noch Thai noch sonst irgendeine asiatische Sprache. Ich kann ja nicht mal griechisch oder italienisch … Er hat uns noch seine Email-Adresse gegeben, weil „you will come back to mumbai, I know“ und uns eingeladen, sich bei ihm zu melden. Keine Ahnung, ob er sich an uns erinnern wird, wenn wir zurück kommen werden, aber die 30 Minuten mit ihm waren der Hit. Genau solche Dinge sind der Grund, weshalb ich so gerne mit anderen Menschen sabbel …

Nun sitzen wir platt im Zimmer (Hannah) oder auf der Dachterrasse (ich) und warten auf das Taxi, das uns gleich zum Flughafen bringt.

Und ich hab keinen Bock nach Hause! Hannah auch nicht! Wir sitzen auch deswegen ein bisschen getrennt, damit wir nicht beide andauernd in Tränen ausbrechen … jeder für sich in seinen Erinnerungen …

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