Tanah Lot und andere Erlebnisse

Heute war nichts mit schönem Sonnenaufgang. Um 6.15 Uhr war es dunkel und alles bewölkt. Also habe ich mich noch einmal ins Bett verkrochen, ein bisschen das nächste Treffen mit Thomas ausgemalt und weiter geschlafen.

Nach dem 2. Aufwachen habe mich dann ans Tagebuchschreiben gemacht und meine üblichen 4 Tee mit Milch und Zucker getrunken. Sehr entspannend und sehr meditativ. Hannah hat lange gepennt und eigentlich hatten wir uns vorgenommen, heute vormittag wieder unseren „Privat-Pool“ zu nutzen (in dem gestern abend tatsächlich ANDERE Leute waren – Frechheit ;)!) und nachmittags eine Tour nach Tanah Lot und zu zwei weiteren Tempeln hier in der Nähe zu machen.

Gegen 10.00 Uhr fing es allerdings an zu regnen. Der Himmel war dunkel, ein richtiges Gewitter kam aber nicht auf. Schade, hätte ich gerne von hier oben aus einmal beobachtet. Es platterte und platterte und irgendwie war absehbar, dass es morgens wohl auch nicht wieder aufklaren würde. So haben wir uns umentschlossen und entschieden, die Tour tagsüber zu machen und dann nachmittags oder am frühen Abend an den Pool zu gehen.

Zum Glück ist es in Ubud ja kein Problem, einen Taxifahrer oder einen Transport zu bekommen. Wir haben erst den Typen, der immer am Eingang unserer Straße sitzt, gefragt. Er wollte 400.000 Rp. für die Tour haben („different direction“), ich wollte nur 200.000 zahlen und insofern sind wir nicht zusammen gekommen. Der nächste Fahrer wollte ebenfalls 400.000 Rp. haben („different direction“), ich wollte wiederum nur 200.000 zahlen, also war das wieder nichts. Als der nächste Fahrer dann ebenfalls 400.000 Rp. forderte („different direction“), dämmerte mir so langsam, dass das wohl der normale Preis für diese Entfernung ist. Wir haben uns schließlich auf 300.000 Rp. geeinigt und los ging es.

Zuerst fuhren wir nach Tanah Lot. Ich war ja bereits schon mal da und hatte diesen Ort als „magisch“ und verwunschen in Erinnerung …

Hin ging es über kleine Straßen („no main route“), vorbei an kleinen Gehöften, Reisbauern, die auf ihren Feldern arbeiten, streunenden Hunden, gackernden Hühnern und wunderschönen Reisterrassen. Ein wenig hektischer wurde es dann in Tabanan, der Stadt, die sozusagen nach Tanah Lot führt. Ein Verkehr wie auf dem Jungfernstieg! 

Nachdem wir dort durch waren, wurde es allerdings wieder ruhiger. Und dann kam Tanah Lot! Naja, erst einmal kam eine Absperrung, an der wir Eintritt zahlen mussten – 25.000 Rp. incl. Parkgebühren für unser Auto. Wayan (unser Fahrer) hat uns rausgelassen, Hannah und ich sind nach rechts abgebogen und wurden sofort per Mikrofon (!) wieder zurückbeordert. Wir mussten links herumgehen!

Ehrlich gesagt habe ich nicht so ganz verstanden warum, vermute allerdings, dass jeder Besucher von Tanah Lot an allen Souvenir-Ständen vorbeigelotst werden soll. 

Schließlich aber kam Tanah Lot in Sicht! Flut, die Gischt umtoste den Tempel :).

So ungefähr jedenfalls! Leider standen vor dem (nicht gerade kleinen) Tempel jede Menge asiatische Touristen, die es fast geschafft haben, den „Tempel inmitten des Meeres“ (so die Übersetzung von Tanah Lot) bei all den Fotoaufnahmen, die gemacht werden mussten, zu überdecken!
 
Während wir uns noch ein wenig lustig machten, wurden wir dann aber schon mit auf die Fotos „gezogen“. Fotosession und Lächeln, Lächeln, Lächeln war angesagt. Irgendwann taten uns schon die Münder vom ewigen Grinsen weh und  nach dem (gefühlten) 123 Foto haben wir die „Aussichtsplattform“ erst einmal wieder verlassen und uns (wiederum durch Souvenirstände und Restaurants) links gehalten, um den Tempel von oben aus zu fotografieren. Vor 17 Jahren habe ich ebenfalls an dieser Stelle Fotos gemacht, bin  direkt an diese Stelle gefahren, ausgestiegen und war alleine an diesem Ort. Naja, sagen wir es so … heute war es nicht so!

 

Danach ging es weiter durch einen inzwischen angelegten Park auf die rechte Seite des Tempels, wiederum ein paar Fotos geschossen und schlussendlich noch einmal zur „offiziellen“ Aussichtsplattform. 

 

 

Es war nicht besonders einfach, sich an den Massen von Chinesen (ehrlich gesagt, ein sehr unangenehmes und auch hässliches Volk, wie ich finde) vorbeizuschieben. 

Erst einmal finde ich es ja sowieso schon unglaublich, dass diese immer in Massen auftreten (fast hat es den Anschein, als hätten sie Angst, alleine zu sein). Ebenso finde ich es unglaublich, dass sie meinen,  ihnen gehört die Welt und sich ungefragt immer und überall vordrängeln, ins Bild stellen und einfach mega-„präsent“ sind. NOCH haben sie die Weltherrschaft nicht übernommen! Aber anscheinend üben sie schon mal! Wirklich unangenehm!


Wir mussten wiederum für Fotos mit irgendwelchen Asiaten (Javanesen vermute ich einmal – verschleierte Frauen auf jeden Fall) posieren und haben uns nach ca. 1 Stunden wieder auf den Weg zu Wayan gemacht.

Der Typ war übrigens sehr nett – Hannah hat wieder einmal auf schüchtern gemacht und kaum etwas gesagt, ich allerdings habe mich lange mit ihm unterhalten. Bali früher, Bali heute, Terroranschläge and so on. Ich erzählte ihm, dass ich vor 17 Jahren schon einmal in Ubud war und zu der Zeit gerade mal 3 oder 4 Guesthäuser existierten. Die Monkey Forrest Road war ein schmaler Fußweg mit Reisfeldern zu beiden Seiten, die Affen hüpften durch den Wald und man musste natürlich keinen Eintritt bezahlen, um den Forrest zu besuchen. Mopeds gab es wenige, Autos kaum und wenn man einen Transport angeboten bekam, handelte es sich um eine Rikscha. Er konnte sich gut daran erinnern, denn er war (angeblich? – ist mir ja aber auch egal) damals Rikschafahrer in Ubud. Er erzählte, dass er unglücklich über den Ausverkauf von Bali ist. Überall werden neue Häuser gebaut, die Reisanbaugebiete werden immer kleiner und seiner Meinung nach wird es in einigen Jahren so sein, dass die Balinesen Reis importieren müssen, weil nicht mehr genug Anbauflächen vorhanden sind. 

Er hat mir auch erklärt, wie der „Ausverkauf“ von statten geht:

Ein Bauer hat ein Reisfeld, auf diesem baut er möglichst mittig irgendwann ein Haus. Durch dieses Haus ist das Feld zwei- oder gar viergeteilt, so dass der Bauer jetzt nach der Teilung einzelne Stücke seines Grundstücks verkaufen kann. Also wird meistens der Teil vor dem Haus verkauft. Üblicherweise (und das fand ich äußerst interessant) aber nicht an Balinesen, sondern an Javanesen, die bereit sind, fast jeden Preis zu zahlen, um ebenfalls am Tourismus zu profitieren. 


„Not so many people want to go to muslime Java. So the Javanese people come to Bali.“

Diese bebauen dann das ehemalige Reisfeld mit Guesthäusern, Restaurants oder Shops und schon ist wieder ein Reisfeld weg. Naja, so ungefähr muss das in Ubud damals auch gelaufen sein. In Ubud allerdings ist viel auch noch in balinesischer Hand, da das Dorf und die dort seinerzeit ansässigen Bauern komplett vom Tourismus profitiert haben.

Und anscheinend gibt es eine ziemliche Rivalität zwischen Javanesen und Balinesen, keiner gönnt dem anderen was – so kam mir das jedenfalls vor. Wayan hat auf jeden Fall ziemlich geschimpft und seiner Aussage nach ist die Situation besonders nach den ersten Terroranschlägen von 2002 eskaliert. 

Viele Leute haben damals ihren Job verloren und – noch viel schlimmer – ihr Urvertrauen ins Leben und in die Götter. Sie wussten nicht, weshalb die Götter sie so strafen und irgendwelche Terroristen auf ihre schöne Insel lassen. Hatten sie sehr dran zu knappsen und haben sie wohl auch immer noch … 

Er hat mich übrigens auch vor Kuta gewarnt. „Don’t stay at partyzones! You can have a drink in a little bar or on the beach but don’t use public party zones. And please take care of Hannah! Don’t allow her to go with Indonesian people. A lot of the people in Kuta are not from Bali, they are from other districts and want to see some tourists in bikini. Or they want to have sex because they can not have sex on their own places!” War echt super interessant, wenn auch erschreckend. Ich fühl mich doch hier (wieder mal) so sicher …


Zurück ging es wieder über kleine Straßen Richtung Ubud. Mittagessen gab es in einem kleinen Warung an der Straße. Ich sagte zu Wayan, dass ich gerne Nudelsuppe und/oder Sate essen würde. Er meinte, er kennt einen guten Platz. – Naja, das Essen ging so … Suppe schlecht gewürzt, Sate dafür gut gewürzt, aber knorpelig. Dazu gab es Reis und bezahlt habe ich 65.000 Rp. für alle 3 Essen. Hat er sich wahrscheinlich 30.000 Rp. mit verdient ;). Hannah hat kaum was gegessen, sie war mit der Gesamtsituation und den vielen Mopedfahrern um uns herum etwas überfordert.

Und dann kam das Highlight des Tages. Wir sind zum Wassertempel Tirta Empul gefahren. Liegt ungefähr 20 km nördlich von Ubud und hat mich vollends umgehauen. Tausende von Balinesen, die ihre Zeremonien abgehalten haben. Opfergaben, rituelle Waschungen, Yoga – eine unglaublich spirituelle Stimmung, trotz des ganzen Rummels, der dort herrschte. Ich weiß nicht, wie viele Fotos ich geschossen habe und wie oft ich ein paar Tränen verdrücken musste. 

Lag natürlich nur an der Sonne, die just zu dieser Zeit doch noch herauskam und mich blendete … 

Superschön und berührend, dieser Tempelbesuch ist jetzt schon eines der Höhepunkte dieses Urlaubs!


Nach Tirta Empul wollte Wayan uns unbedingt noch eine Coffeeplantage zeigen. Eigentlich hatten wir gar keine Lust (inzwischen war es auch schon ziemlich spät), aber schlussendlich haben wir uns überreden lassen. 

Tja, und da bin ich dann wieder auf die „Only for you my best friend“-Nummer hereingefallen. Einmal in jedem Urlaub scheint wohl Satz zu sein:)

Bei der Kaffeeplantage handelte es sich eigentlich um einen schön angelegten Garten. Jede Menge Pflanzen (natürlich mit Namensschild) wuchsen dort, die üblichen Sachen wie Ananas, Passionsfrucht, Banane, Mango etc., aber auch viele mir teilweise unbekannte Kräuter. Alles duftete und es war herrlich kühl dort oben in den Bergen! Also alles schick! Nach dem Rundgang kam natürlich der obligatorische Laden, den wir allerdings erst einmal gar nicht wahrgenommen haben. 



Ein paar Indonesier haben rumgesessen, den Bali-Kaffee per Hand geröstet und gemahlen und die Besitzerin des Ladens kam auf uns zu und hat uns noch einmal alles genau erklärt. 500 g Bali-Kaffee verkaufsfähig zu machen dauert 2,5 Stunden. 1 Stunde rösten, 1,5 Stunden stampfen und damit mahlen. 

Dann wurden wir zu einem Tisch mit einem traumhaften Ausblick über das Tal und den Dschungel geführt, drückte mir ihr Baby auf den Arm (damit hatte sie mich ja sowieso schon fast in der Hand) und dann „durften“ wir 8 verschiedene Getränke probieren. Zitronentee, Rosellatee, Vanilla-Coffee, Ginger-Kaffee, Reistee, puren Bali-Kaffee und noch einen Tee, den ich aber bereits wieder vergessen habe. Und wie das schmeckte …

Der Vanilla-Kaffee weich und süß, der Rosellateee wirklich nach Hagebutte, der Zitronentee ein Gedicht! Selbst Hannah war begeistert. Lange Rede kurzer Sinn – gekauft habe ich jeweils 1 Paket „pure organic“ (bin mir da allerdings ehrlich gesagt nicht ganz so sicher, nachdem ich mir die Etiketten angeschaut habe – muss das noch mal googlen) Lemontee, Rosellatee und Vanilla-Kaffee.

“Geschenkt“ bekommen habe ich frische scharfe Chilies, natürlich ebenfalls „pure organic““. Und bezahlt habe ich 300.000 Rp.!!! Ich bin verrückt! Ich weiß! Dafür hätte ich mir 15 T-Shirts oder 5 Kleider kaufen können und mit Hannah eine Nacht in einem Luxus-Resort mit Infinity-Pool über den Bergen übernachten können …. Ist mir erst im nachhinein aufgefallen, was für ein Preis das war! Wahrscheinlich kann Wayan aufgrund seiner Provision erst einmal 2 Tage Urlaub machen und braucht keine Touristen mehr durch die Gegend kutschieren! Egal … wenn ich den Tee zu Hause „zelebrieren“ werde, kommt die Stimmung des Tages bestimmt noch mal zurück. Lecker ist er ja auf jeden Fall!

Nachdem wir die Touri-Falle „Coffee-Plantage“ nun abgehakt hatten, ging es zurück nach Ubud mit Halt an der Goa Gajah (Elefantenhöhle).

Wollte ich unbedingt sehen, habe ich mir laut den Reiseführerbeschreibungen total gigantisch vorgestellt. Einer der ältesten Tempel auf Bali! In der Höhle gab es dann 3 kleine Schreine, in der Opfergaben lagen und das war es. Hat mich nicht gerade umgehauen, kann allerdings auch daran gelegen haben, dass ich ziemlich platt war. Es wurde immer heißer, je später es wurde und wir waren ja schon den ganzen Tag auf den Beinen. Von meinem Fuss will ich mal gar nicht reden … 




Auch bei der Goa Gajah mussten wir wieder mehrfach als Modell herhalten (O-Ton Hannah: „Ich kann gar nicht mehr lächeln, mir tut schon alles weh, Mama!“).

Zurück in Ubud waren wir dann erst gegen 18.00 Uhr! Das hätten wir also nie an einem Nachmittag (wie von mir geplant) geschafft! Insofern bin ich froh und dankbar, dass es heute morgen so regnerisch war.

Im Narasoma Homestay habe ich erst einmal ein Bier getrunken, erneut versucht, das Internet zu starten (läuft bei uns immer noch nicht, bei allen anderen Gästen aber schon …. ich weiß immer noch nicht, warum? Karma? Sollen wir uns um andere Dinge kümmern? MÜSSEN wir uns um andere Dinge kümmern? ) und dann sind wir zu Bendis zum Essen. 

Eigentlich können die uns langsam mal ein Essen ausgeben, so oft wie wir dort andere Touris anlocken :)! Sobald wir dort oben sitzen, kommen andere Gäste!

Unseren „Wifi-Abend“ haben wir – wie gestern auch schon – in der Laughing Buddha Bar verbracht. Heute ohne Livemusik, dafür aber wieder in nettem Ambiente. Bei uns am Tisch saß ein Neuseeländer, mit dem ich ins Gespräch kam und der mir erzählte, dass er öfter auf Bali sei, da sein Vater hier lebt. Ich meinte daraufhin spontan „Oh, wunderful Dad! Does he have a girlfriend?“. Der Typ ist fast vom Stuhl gefallen vor Lachen. Eine Antwort auf meine Frage habe ich allerdings nicht bekommen ….

Thomas hat erneut gemailt, Anrede diesmal „Mein Zucker“ … ich schmelz dahin und bin wirklich gespannt, wie es wird, wenn wir uns wiedersehen. Nigeria ist im Moment wohl erst einmal gecancelt, er wird jetzt wohl Baustellen im Norden betreuen und bekommt sogar einen Firmenwagen. Guter Mann! Ich freu mich schon auf ihn.

Später dann noch ein wenig auf der Veranda gesessen und über das dunkle Ubud geschaut, Hannah ist ziemlich früh ins Bett gegangen. Die Hitze hier schafft sie anscheinend … 

 

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